Hallo Fremde...
Du kennst mich nicht. Und ich kenne dich nicht. Also nicht wirklich. Wir haben uns schließlich nur für einen Augenblick gesehen. Vielleicht werden wir uns nie wiedersehen. Vielleicht war ich nur der seltsame Mensch mit einem Glas voller Worte. Vielleicht hast du meinen Namen schon wieder vergessen. Aber das macht nichts. Du bist trotzdem hier gelandet. Eine zufällige Begegnung passiert. Wie Tomaten aus der Dose eben 🥫. Wahrscheinlich wirst du ständig von irgendwelchen Typen angesprochen. Aber wann hat dich zuletzt jemand angesprochen, ohne etwas von dir zu wollen?
Wahrscheinlich hattest du genau solche Gedanken, als ich dich angesprochen habe: „Okay … was will der?“
Fair enough. Die meisten Menschen wollen etwas. Geld. Aufmerksamkeit. Bestätigung. Ein Date. Irgendetwas. Aber lass mich eines klarstellen: Ich will dir nichts verkaufen oder dich für irgendein Coaching gewinnen. Du brauchst in keine Gruppe zu kommen oder sowas in der Art.
Du bist mir einfach aufgefallen unter all den trüben Gesichtern. Irgendetwas in dir hat geleuchtet. Und ich bin einfach deinem Leuchten gefolgt. Wir laufen jeden Tag an hunderten Menschen vorbei. Jeder von ihnen trägt eine Geschichte in sich. Eine Geschichte, die dich zum Lachen bringen könnte. Oder zum Weinen. Und trotzdem gehen wir aneinander vorbei.
Die Welt hat uns vorsichtig gemacht. Wenn heute jemand freundlich ist, vermuten wir Werbung. Wenn jemand neugierig ist, vermuten wir Absicht. Wenn jemand uns anspricht, suchen wir den Haken. Vielleicht gibt es gar keinen. Vielleicht war die Begegnung einfach nur eine Begegnung.
Oder vielleicht auch nicht.
Von allen Menschen, denen ich heute begegnet bin, bist du diejenige, die jetzt hier sitzt und mir zuhört. Verrückt, oder? Was hast du eigentlich erwartet, hier zu finden? Einen weiteren netten Text genauso wie in dem kleinen Poesieglas? Vielleicht Werbung? Eine Botschaft? Oder insgeheim etwas ganz anderes? Langsam hab ich wirklich das Gefühl, dass du diejenige bist, die etwas von mir will. Jedenfalls scheinst du hartnäckig zu sein.
Ja. ich glaube, du suchst etwas. Vielleicht weißt du selbst noch nicht, was. Aber Menschen öffnen keine unbekannten Türen einfach so. Menschen folgen keinen seltsamen Spuren ohne Grund. Du hast den Code gescannt. Und gerade merkst du, dass unser Augenblick noch gar nicht vorbei ist.
Du liest nämlich immer noch. Vielleicht aus Langeweile. Vielleicht weil du hoffst, dass du hier meine Nummer findest. Tut mir leid. Die geb ich keinen wildfremden Menschen. Aber vielleicht geht es auch nicht darum immer sofort etwas zu bekommen. Vielleicht haben wir verlernt, Dingen zu folgen, ohne zu wissen, wohin sie führen. Dass eine ganz neue Welt nur ein Gespräch weit entfernt ist.
Falls dir dieser Gedanke gefällt, solltest du wahrscheinlich nicht weiterlesen. Wirklich nicht. Das hier ist deine letzte Chance auf ein vollkommen normales Leben. Ein Leben, in dem Zufälle einfach Zufälle bleiben. Fremde einfach Fremde. Und Märchen lediglich Geschichten in einem Buch.
Falls du allerdings schon immer den Verdacht hattest, dass hinter der Tapete irgendwo eine geheime Tür versteckt ist … nun ja. Dann bist du hier vermutlich genau richtig hier.
Und dann sollte ich dich vielleicht auch einmal ordentlich begrüßen.
…
…
…
Mir fällt gerade auf. Ich kenne ja deinen Namen noch garnicht. Weißt du was…
Ich nenn dich einfach Alice!
Herzlich Willkommen im Wunderland.
🐇



Ich finde den Gedanken schön, dass du jemanden einfach so ansprichst, ohne Agenda. Das ist selten geworden. Gleichzeitig merke ich beim Lesen, dass ich genau das tue, was du beschreibst: Ich suche den Haken. Nicht weil ich dir misstraue, sondern weil die Welt uns das beigebracht hat.
Was mich ein bisschen irritiert, ist die Inszenierung. Das Glas, der QR-Code, die Wunderland-Metapher – das ist alles sehr durchdacht. Und genau das macht es schwer zu glauben, dass es wirklich nur um die Begegnung geht. Echte Zufälle sind meistens chaotischer, weniger poetisch.
Ich habe selbst oft Menschen angesprochen, einfach weil sie mir aufgefallen sind. Und ich weiss, wie schwer es ist, in diesem Moment nicht komisch zu wirken. Aber ich habe auch gelernt, dass echte Begegnungen dann passieren, wenn man nicht versucht, sie zu inszenieren. Wenn man einfach da ist, ohne Drehbuch.
Vielleicht ist das hier genau das. Vielleicht auch nicht. Ich weiss es nicht. Aber ich finde es gut, dass du es versuchst.
Sehr cool und erfrischend.