Schattenboxen
Der Kampf gegen das "Böse"
Alle wollen das Gute.
Niemand will der Böse sein.
Wir kämpfen für Frieden,
für Gerechtigkeit,
für Wahrheit.
Wir gehen auf die Straße,
Wir posten, protestieren, diskutieren.
Wir canceln, belehren, missionieren.
Und jeder ist überzeugt,
auf der richtigen Seite zu stehen.
Doch was, wenn genau das der Trick des Bösen ist?
Dass es dich glauben lässt, du kämpfst fürs Licht
während du längst in seinem Schatten stehst?
Denn solange du dich selbst nicht besiegt hast,
kämpfst du nicht gegen das Böse.
Du fütterst es.
Solange du den Teufel in dir nicht besiegt hast,
wirst du ihn überall da draußen sehen.
In jeder anderen Meinung.
In jedem fremden Gesicht.
In jedem Widerspruch.
Du denkst dich verteidigen zu müssen,
Und wenn die Gelegenheit stimmt dann schlägst du zu
überzeugt davon, den Feind zu treffen.
Doch in Wahrheit fuchtelst du nur in der Luft herum.
Schattenboxen.
Sieht von außen sportlich aus,
macht ordentlich Schweißflecken im Shirt,
ist auch ein nettes Warm-up …
aber Hand aufs Herz:
Den Knockout gegen das Böse landest du so nicht 😉
Wieso überhaupt kämpfen?
Wir sind mitten im Krieg.
Und ich spreche nicht von den Schlachtfeldern der Welt
Der Ukraine mit Russland oder den Konflikten im nahen Osten.
Das sind alles nur Reflexionen deines inneren Krieges.
Ja deines!
Jeder Mensch trägt einen Feind im Herzen.
Oder im Kopf? … 🤔
Wir bewegen uns täglich auf Schlachtfeldern.
Ja, wir kämpfen jeden Tag.
Wir nennen es nur nicht so.
Weil es sich so normal anfühlt wie Atmen.
Der Kampf beginnt schon beim Aufwachen.
Der Wecker klingelt und sofort stehen zwei Armeen voreinander:
Der Teil in dir, der leben will,
und der Teil, der sich wieder verkriechen will.
„Steh auf!“ gegen „Nur noch fünf Minuten.“
Klingt harmlos, ist aber ein Stellvertreterkrieg.
Jede Entscheidung ist eine Schlacht.
Bist du angestellt?
Dann gehst du vielleicht zur Arbeit,
nicht um deine Berufung zu leben,
sondern um die Träume eines anderen zu erfüllen.
Jeden Tag ziehst du die Rüstung an:
Lächeln, funktionieren, liefern.
Doch innerlich kämpfst du gegen eine Stimme,
die dir längst zuflüstert:
„Das hier bist nicht du.“
Vielleicht hast du sie schon so oft ignoriert,
dass sie kaum noch hörbar ist.
Auch in Begegnungen mit Menschen geht der Krieg weiter.
Du hörst eine andere Meinung,
und schon hebt sich innerlich dein Schwert.
Nicht, weil der andere dein Feind wäre,
sondern weil du dich bedroht fühlst.
Also schlägst du zurück
mit Worten, mit Argumenten, mit Schweigen.
Und jedes Mal verlierst du ein Stückchen Frieden.
Der Krieg tobt auch in deiner Freizeit.
In der Versuchung, dich zu betäuben,
statt dich zu spüren.
Im Drang zu scrollen,
statt dich zu stellen.
Im Griff nach dem Bier,
statt der Klimmzug-Stange.
Wir kämpfen dauernd
gegen Müdigkeit,
gegen Angst,
gegen Scham,
gegen unser Wort
Doch weil es Alltag ist,
merken wir nicht mehr,
dass wir mitten in einem Krieg stehen.
Wenn du den Feind in dir nicht besiegt hast,
trägt die ganze Welt dein Schlachtfeld.
Deshalb ist es kollektiv gesehen auch nicht anders.
Link und Rechts haben sich gespalten,
sodass ein gemeinsames Kreuz unmöglich erscheint.
Jedes tiefergehende Gespräch wird zum Duell um die Wahrheit.
Jedes widersprüchliche Wort ein Schlag.
Wie kommen wir also raus aus dieser Angstspirale?
Kämpfe deine eigene Schlacht
Lass uns mal für einen Augenblick innehalten
den Trubel der Welt vergessen und uns selbst betrachten.
Die schwerste Schlacht ist nicht die gegen die Welt.
Es ist die gegen dich selbst.
Nicht mehr wegzusehen.
Dem Schweinehund nicht die Zügel zu überlassen.
Dem inneren Teufel aus der Deckung holen und ihm ins Gesicht schauen.
Und das ist kein Kampf, den jemand für dich austragen kann.
Keine Eltern, kein Partner, kein Lehrer, kein Gott.
Nur du.
Du allein kannst entscheiden,
ob du dich deiner Sünde stellst oder weiter davonläufst.
Und wer diese Schlacht annimmt,
wer durchhält, auch wenn alles in ihm nach Flucht schreit,
der findet etwas, das größer ist als jeder Sieg im Außen
Besieg dich Selbst um mit der Welt zu tanzen
Wenn du den Teufel in dir besiegt hast,
verändert sich nicht nur dein Herz
die ganze Welt reagiert auf deinen Herzschlag 👊🏻.
Besiegt heißt hier nicht: Niedergeschlagen.
Es heißt: Entwaffnet.
Dich zu besiegen heißt nicht
deine ganzen Traumas und Schwachpunkte nur zu kennen!
Sondern ihnen mit einem Round-House-Kick in die Fresse zu schlagen.
Du nimmst dem Schatten seine Macht,
indem du ihm die Zustimmung verweigerst.
Du schneidest die Seile der alten Geschichten durch,
du brichst die stillen Gelübde,
die dich kleinhalten.
Und plötzlich ist dein Körper kein Kriegsgerät mehr.
Deine Schultern senken sich.
Dein Atem wird tiefer.
Du spürst Raum dort, wo vorher Enge war.
Jetzt kannst du wirklich in den Kampf gegen das Böse ziehen
Aber nicht so, wie du es dir vorgestellt hast.
Du besiegst sie, indem du nicht mehr in den Automatismus fällst,
der aus jeder anderen Meinung sofort einen Feind macht.
Und aus dem Moment, in dem du nicht mehr “zuschlägst”,
sondern Schritt hältst, entsteht der Tanz.
Eine Meinung ist ein (Tanz)Schritt.
Deine Antwort ist der nächste.
Wahrheit ist kein Standbild sie ist ein Bewegungsfluss.
Akzeptieren wäre stillstehen: „Okay, ich akzeptiere deine Wahrheit“
Anerkennen ist eintreten in die Bewegung:
„Ich sehe dich. Ich höre dich. Und ich antworte.
Auch wenn sie im Widerspruch zu deiner Antwort ist.
Lass uns sehen, wohin sie uns tragen kann.“
“Wer spricht, wird abgewandelt, außer dem, dessen Worte dünner und dünner werden, bis schließlich alle merken, dass er, weil er sich nicht durch die Wahrheit wandeln will, in Wahrheit nichts zu sagen hat.”
- Eugen Rosenstock Huessy -
Ein wirklicher Treffer
Im Tanz verfliegt das Urteil.
Ein Angriff wird zum Auftakt,
ein Vorwurf ist Teil der Melodie,
ein Missverständnis und Ent-täuschung gehören zur Choreografie.
Du beginnst dich mit dem Gegenüber zu synchronisieren
Anders gesagt:
Wir verlassen die Metapher des “Kampfes”
und tauchen in die Metapher des “Tanzes” ein.
Nur umsetzbar,
wenn wir uns im gegenseitigen Widerspruch treu bleiben.”
Denn dieses “synchronisieren”,
ein sich einstimmen
ist wahrlich ein Wortkampf.
Solange bis einer KO geht.
Der wahre Feind hat kein Schwert,
Er kann dich also nicht verletzen.
Er kann sich nur an deiner eigenen Stimme berauben.
Er ist die unsichtbare Wand zwischen dir und den Menschen,
das Schweigen, das Nähe verhindert,
die Bequemlichkeit, die dich vom Aufstehen abhält.
Dein Widerstand gegenüber dem Unbekannten.
Gegenüber dem Widerspruch.
Der wahre Feind ist nicht laut.
Er ist das leise „Lass es lieber“,
das dich zurückhält, unbequem zu werden,
Fragen zu stellen,
deine Wahrheit zu sprechen.
Und viel zu oft betäuben wir genau diese Stimme.
Wir trinken oder lachen drüber hinweg.
Hauptsache, wir müssen sie nicht hören.
Doch genau in dieser Stimme liegt das Geheimnis des Kampfes.
Dass der Kampf, nie ein Kampf war.
Sie will einfach ausgesprochen werden.
Hier ein kleines Gedicht von mir:
Du raubst mein Wort
Ich nenn dich Räuber Hotzenplotz.
Doch ich sprech mich aus
auch wenn ich kotzen muss.
Sprich:
Selbst wenn mich Zweifel plagen, dass mein Wort uns zu Feinden macht
spreche ich mich aus. Das ist der Kampf, den ich gewinne.
Ein wahrer Krieger braucht kein Schwert, denn er hat keine Feinde.
Die Attacke enthüllt etwas in dir.
Der Schmerz verrät die Tür.
Die Wiederholung markiert die Stelle,
wo du am meisten Macht trägst.
Und ja dieser “Kampf” ist brutal.
Er kostet dich dein bequemes Selbstbild,
deine Ausreden,
deine Schuldgefühle.
Aber wenn du das Schwert hebst
und deine inneren Lügen durchtrennst,
verlierst du dich nicht,
sondern findest dich.
Dann kippt das Bild.
Das Schlachtfeld verwandelt sich.
Dein Herz schlägt nicht mehr wie eine Trommel zum Angriff,
sondern wie ein Takt zum Tanz.
Der wahre Krieg beginnt also,
wenn du das Schwert nicht gegen andere erhebst,
sondern in die Hand nimmst, um die Schatten in dir selbst zu durchtrennen.
Denn erst, wenn du dich selbst besiegt hast,
hast du verstanden, was Kämpfen heißt.
Wenn du der Sonne entgegen tanzt
gibt es keinen Grund zu kämpfen,
denn du hast deinen Schatten hinter dir gelassen.
Und hier geschieht die Wandlung:
Der Sieg wird die Beziehung.
Was früher Kampf war,
wird jetzt zum Tanz.
Ein Gespräch ist kein Gefecht mehr,
sondern ein Rhythmus.
Eine andere Meinung ist kein Angriff,
sondern eine Einladung zur Bewegung.
Der Feind wird zum Partner,
die Lüge zum Takt,
und im gemeinsamen Tanz entsteht eine neue Wahrheit.
So sieht der wahre Sieg aus:
Nicht das Böse zu vernichten,
sondern ihm den Platz zu geben,
den es verdient
unter deinen Füßen,
während du mit ihm tanzt.
Nicht Macht über Menschen,
sondern Macht über die Welt als Reaktionsmaschine.
Nicht das Verbrennen von Feinden,
sondern das Verwandeln von Feindschaft in Freundschaft.
Und so öffnet sich ein neues Spielfeld:
Die Welt wird nicht mehr zum Schlachtfeld,
sondern zum Playground.
Wer sich selbst besiegt hat,
kann frei mit der Welt tanzen.
Und genau darin liegt die größte Waffe,
die der Mensch besitzt:
Frieden.
“That´s what happens when the first amendment goes away.
For my sake, let´s just hope it doesn´t go away.
But either way I`ma say what I´ma say, fuck em”.
-Chris Webby in Jedi´s Code


Die wichtigste Schlacht findet nicht draußen statt, sondern in uns selbst.
Nicht gegen andere, sondern gegen Ego, Stolz und Verletzungen.
Wer sein Inneres aufrichtet, verändert sein Leben und die Welt um sich herum. Vielen Dank für deinen Artikel.