Traumfänger
Manchmal fühl ich mich stärker,
als ich eigentlich bin.
Voller Tatendrang.
Voller Ideen,
die nach mir greifen,
als würden sie endlich gelebt werden wollen.
Für einen Moment
fühl ich mich wie die Version von mir,
die ich immer sein wollte.
Ich sehe den Weg.
Ich sehe die Hand,
die sie mir reichen.
Ich höre den Applaus.
Die Augen voller Stolz.
Den Kuss,
den ich mir zutiefst wünsche.
Für einen kurzen Moment
fühlt sich alles echt an.
Als wär ich schon dort angekommen.
Doch dann
wach ich auf
aus meinem Tagtraum.
Und die Bilder verblassen
wie Erinnerungen,
die so weit weg sind,
dass sie ihre Farbe verlieren.
Plötzlich merk ich wieder,
dass zwischen mir
und dieser Version von mir
noch Welten liegen.
Vielleicht bin ich nie dafür gemacht worden,
Träume nur in Träumen zu besuchen.
Vielleicht sollten sie nicht
hinter meinen Augenlidern wohnen,
wie Vögel in einem Käfig aus Schlaf.
Sondern im Augenblick eingefangen werden.
Vielleicht sollte ich selbst
ein Traumfänger werden,
anstatt ihn mir nur übers Bett zu hängen
Jemand,
der seine Träume nicht mehr
durch geschlossene Augen sieht.
sondern mit offenen jagt.
Einer,
der sie aus der Luft zieht
wie Sternschnuppen
bevor sie verglühen.
Der sie festhält,
mit blutenden Händen,
wenn das Leben versucht,
sie ihm wieder zu entreißen.
Denn irgendwann
will ich nicht mehr aufwachen
und zusehen,
wie meine Träume verblassen
wie Farbe im Regen.
Irgendwann
will ich sagen können:
Ich habe sie nicht nur geträumt.
Ich habe sie gelebt.


… und bist du dir ganz sicher, dass es ein Traum war?
Vielleicht träumst du ja gerade jetzt, wo du meinen Text liest.
Könnte doch sein. Oder?
Am besten jetzt